Stand der Dinge im Dezember 2021

Der ERFOLG des Monats

#FocusOnlineArtikel

Im September hatten wir uns an dieser Stelle sehr über einen Artikel aufgeregt, der bei FOCUS Online erschienen war und in dem schlimmste Vergewaltigungsmythen verbreitet wurden. Gemeinsam mit den Aktivist*innen Bianca Gröbner und Jorinde Wiese von der Initiative seidLAUT hatten wir eine Petition gestartet und mit anwaltlicher Unterstützung eine Beschwerde beim Deutschen Presserat eingereicht.

Aber es gibt einen Grund, dass diese Kategorie heute „ERFOLG des Monats“ heißt, denn jetzt kommen die tollen Nachrichten: Unsere Petition und all die Arbeit und Mühe waren erfolgreich! Die Redaktion von FOCUS Online hat eine deutliche Stellungnahme dazu veröffentlicht:

Wir wurden durch eine Petition darauf aufmerksam gemacht, dass der hier veröffentlichte Text sexualisierte Gewalt in ein falsches Licht rückt. Dieser Text wurde von uns angepasst und durch Stellungnahmen ergänzt, da er sexualisierte Gewalt unangemessen einseitig darstellte. Die wiedergegebene Sichtweise in der ursprünglichen Version entsprach nicht der Haltung unserer Redaktion und gab – unzureichend eingeordnet – nur die Einschätzung der zitierten Strafverteidiger wieder. Deshalb haben wir Kontakt zu den Erstellerinnen der Petition aufgenommen. Dazu zählt auch Nina Fuchs, Vorstandsvorsitzende von „KO – Kein Opfer e.V“. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für die Rechte von Opfern von sexualisierter Gewalt ein. Ihre Einordnungen, die deutlich die Perspektive der Opfer sexualisierter Gewalt wiedergeben, haben wir in dem Artikel ergänzt und kursiv hervorgehoben. Wir entschuldigen uns ausdrücklich bei allen Leserinnen und Lesern, die sich aus nachvollziehbaren Gründen durch die einseitigen Darstellungen in dem Ursprungstext angegriffen gefühlt haben. Dem Thema sexualisierte Gewalt haben wir nun auch in einer angemesseneren Art Raum gegeben:
Interview mit Nina Fuchs über ihren Verein, eine Anpassung des Sexualstrafrechts und ihren Kampf für mehr Gerechtigkeit. […]“

Hier könnt ihr den ganzen Artikel mit Ninas Kommentaren lesen.

Für uns als Verein ist das ein riesengroßer Erfolg, für den wir auch schon sehr viel Lob und Beifall bekommen haben. Oft ist es sehr schwer, mit der Arbeit, die wir machen, messbare Erfolge zu erzielen. Natürlich bekommen wir hin und wieder positive Rückmeldungen, und gerade wenn diese von Betroffenen von sexualisierter Gewalt kommen, freuen wir uns natürlich sehr darüber, aber ein wirklich messbares Ergebnis sehen wir bei unserer Arbeit eher selten. Umso erfreulicher ist es, wenn – wie in diesem Fall – die Energie und Arbeitsstunden zu einem so deutlich sichtbaren Erfolg führen und wir jetzt die Chance haben, so vielen Menschen darüber aufzuklären, wie die Realität für Betroffene von sexualisierter Gewalt wirklich aussieht.

Als Nina in der Nacht vom 28. August 2021 vor ihrem Laptop saß und voller Verzweiflung, Wut und Ohnmacht den offenen Brief an die Redaktion von FOCUS Online geschrieben hat, hätte sie es im Leben nicht für möglich gehalten, dass sie irgendwann diejenige sein wird, die den beiden Strafanwälten und deren Vergewaltigungsmythen und Lügen Kontra gibt und dafür sorgt, dass bei FOCUS Online jetzt sogar Gendersternchen stehen. Dranbleiben zahlt sich aus! Und darauf sind wir doch ein kleines bisschen stolz.