Stand der Dinge im Juni 2022

Der Aufreger des Monats

#AbortionBan

CW: Sexualisierte Gewalt

Dass das Oberhaupt der Katholischen Kirche, Papst Franziskus, Abtreibungen mit einem Auftragsmord gleichsetzt, ist nichts Neues und leider auch kaum mehr schockierend. Bereits 2018 hatte die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet. Was aber hingegen extrem schockierend ist, sind die Nachrichten zum sogenannten „Abortion Ban“ (Abtreibungsverbot), die uns im Juni aus den USA erreicht haben. An dieser Stelle sollte gleich einmal angemerkt werden, dass Abtreibungen nicht verboten werden können. Was verboten wird, sind sichere Abtreibungen, die in geschützten Räumen unter angemessenen medizinischen und hygienischen Bedingungen stattfinden und das Leben der Mutter nicht gefährden. Abtreibungen wird es immer geben, sie können durch kein Gesetz der Welt verhindert oder unterbunden werden. Dass es dennoch von einigen Vertretern stark patriarchal geprägter Länder, wie eben zuletzt die USA, versucht wird, ist die Aberkennung eines Menschenrechts für Milliarden von Menschen. Das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch und die Selbstbestimmung über den eigenen Körper muss allen uneingeschränkt zugestanden werden.

Was solch eine Gesetzesänderung, die 50 Jahre feministischen Kampf und Arbeit innerhalb eines Wimpernschlags zunichtemacht, für absurde und grausame Folgen hat, zeigt der Fall eines zehnjährigen Mädchens, dem im Bundesstaat Ohio, nachdem es durch Vergewaltigung schwanger wurde, eine Abtreibung verweigert wurde. Wir fragen uns ernsthaft, wie diese Entscheidungsträger überhaupt noch in den Spiegel schauen können.

Besonders schlimm ist die Lage auch für Menschen mit Behinderung. Die behinderte Aktivistin Luisa L’Audace schreibt auf ihrem Twitter-Account: „Ich würde mir wünschen, dass wir behinderte Menschen mitdenken, wenn wir über die Illegalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen sprechen. Diese Entscheidung wird viele behinderte Menschen ihr Leben kosten. Schließlich sind wir bis zu dreimal häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen und eine Schwangerschaft kann für viele behinderte Menschen den Tod bedeuten. Viele Anlaufstellen sind nicht barrierefrei. Dazu sind wir stärker von Armut bedroht.“

In einem besonderen Ausmaß betroffen sind außerdem Women of Colour. Sie sind bereits jetzt schon im Gesundheitssystem benachteiligt und beispielsweise die Müttersterblichkeit ist dreimal so hoch wie bei weißen Frauen. Hinzu kommt noch, dass gerade in den Staaten, die besonders strenge Abtreibungsverbote planen, überdurchschnittliche viele Schwarze Menschen leben.

Und zu guter Letzt wird dieses tragische Ereignis in den USA auch noch genutzt, um gegen den Islam zu hetzen, obwohl eigentlich hinreichend bekannt sein sollte, dass die einzige Religion, die Schwangerschaftsabbrüche so sehr verteufelt, dass sie es – wie eingangs erwähnt – mit Auftragsmorden gleichsetzt, das Christentum ist. Ob das wohl diese christlichen Werte sind, von denen immer geredet wird???

Zum Abschluss noch ein kleiner Hinweis: Das Bild ist von einer Künstlerin, die unter dem Namen priklut auf Instagram zu finden ist.